Verstehen

Auszüge aus der Korrespondenz zwischen Josef Faihstnauer, Messner, Ladenbetreiber und Bauern aus Trens und seiner Frau Franziska Faihstnauer, geschrieben zwischen Juni 1915 und Juni 1918

 „Am Montag hat die Stoke gekelbert es ging alles gut, den sie hat es allein derichtet, es wahr alles frisch und Munter auch das Buisile es ist ein Kalbile sollen wir es zigln. Aber gestern haten wir balt Unglück als ich Abends vom Ströbe krahln Heim kahm sagt die gohtl das die Stoke nicht recht bei abetit sei, sie ging um der Wurtzer Trese, und diese sagt das sie wahrscheindlich den Kälberbrand hat wir sollen nun geich um jemand gehn da nach ich gleich bein Bircher im Furwerk und fuhr um die Hörtnagel nach Sterzing. da wahr die Hortnagel in der Altstat bein Tandler= Wirt auch bei einer solchen Kuh, da wollte sie mir anfangs gahr nicht herunter gehn aber als ich sagte das ich Fuhrwerk hab, so sagt sie ich muß halt 3 Stund warten, den eher kan sie von diser Kuh nicht vort gehn. oder ich muß ihr in der Frih ein fuhr= werk schücken, den wen die Kuh so ist wie ich sage so kan sie schon bis in der Frih warten, aber ich hab auf sie gewartet, was wohl gut wahr den als wihr kahmen sagt sie es ist zeit, den in der Frieh wehr sie gewiß hin, die blib dan die ganze Nacht dabei, in der frih hät sie schon angefangen zu fressen, und hat heite vor Mitag schon wider [unleserlich] und sie siht ganz munder her Gott sei dank"

Brief N°70, 14.10.15, Franziska an Josef.

 „[...] heite wahr in der frieh Regenwetter deshalb ging in in Grobigassl Fledermauß mist sahn und dan in Zihl mößl Mist dertreiben hat heite fast in jedes die gleiche arbeit."

Brief N°160, 22.4.16, Franziska an Josef.

„[...] hab dier in letzten schreiben versprochen am Abend einen Brief zu schreiben wahr aber imer zu faul da wier dise Tage die Wäsche hatten."

Brief N°299, 18.2.17, Franziska an Josef.

„die Zeit ist halt zimlich knap ausgemessen, entsprechend wie jetzt der Tag ist. In der Früh u. Abends ist es Nacht, kann mann weder schreiben noch ein stich fliken."

Brief N°212, 18.9.16, Franziska an Josef.

„[...] und ich hab einmahl bezahlt virs Zähne reißen den das hinein machen lassen erschrickt mich fast wegen den Geld möchte schon zuerst dich fragen obt du es erlaubst, hab mier anfangs gedacht es solt reichen was von der Gotl Anna geerbt hab nemlich Hv Gulden vir 19 Wurzen reisen must ich L Kron zahlen, und a neier Zahn kähm auf h Kron."

Brief N°262, 22.12.16, Franziska an Josef.

„Wegen die Zähne thust Du wie Du wilst, nur das das Du dier aushandelst das es dir gut gehen muß, bevor Du es bezahlst. Vieleicht köntest du die Mutters-Zähne im gebrauch nehmen da mann auch bei den Zahnärzten nicht weis, was mann bekommt, das Dieselben alles zusammen kaufen. wieder neu herichten, was Ihnen auch zu verdenken ist. Ob ich Dieselben in meinen Kasten habe, oder im Unterdachkästchen irgendwo sind das weis ich nicht mehr genau. Eigendlich um Ekln wär es nicht, weil Sie an Alterssch. gest. ist. der [unleserlich] muß doch neu gemacht werden. Alles nach dein Belieben. Wegen theuer sein ist es immer im alten, wird es nach dem Kriege auch nicht viel besser sein."

Brief N°269, 31.12.16, Josef an Franziska.

„Er sagt zwahr gleich wie voriges mahl der Tocktor Liebl nemlich das ich Augen geschwer hab und Augen kahrtahr wen ich zubinde so ist es imer besser, und besonders ist es besser wen ich die ganze Nacht schlafe aber ich möchte halt doch manchmal der Gotl abtauschen und ich beim Loisile bleiben, und dort ist dan manchmal eine Kurze Nacht oder eine lange Nacht aber wenig Schlaf. Lieber Gatte ich weiß nicht mit was wier der Gotl vergelten könen, was sie uns tuht, wen es ihr nur nicht zu stark wird, ich bite si wohl manchmal öfters Abends das sie friher solt ins Bet gehn, den wen sie am Abend eine zeitlage Schlafen könt dan wehr es schon besser, aber si hat halt imer arbeit und will nicht friher ins Bet bis alles fertig ist, es ist wohl manchmal schwer aber das wil ich alles gern dulden wen nur du wider zurick komst [...]"

Brief N°240, 6.11.16, Franziska an Josef.

„beim Zihl haben sie einen Ruß haben furch kaut diser Ruß ist ein recht kamoter Mensch den ganzen Tag arbeiten und kein Wort teitsch reden"

Brief N°155, 14.4.16, Franziska an Josef.

„Heite wird bei uns der Roggen gemäht es ist der Wurzer Lois und Zingerle die den ganzen Tag, und der Haller und Frau, die fileicht nur vormitag, was heite ibrig bleibt mäht Morgen der Zihl Hans, weil die heite das Heu letzte Heu haben und unser Hans imer beim Zihl hilf."

Brief N°16, 13.7.15, Franziska an Josef.

„ [...] dise Woche wehr halt gut beim Zingerle Weitzen Rungel helfen und bein Zihl Grumet arbeiten die haben noch keines ein."

Brief N°204, 6.9.16, Franziska an Josef.

„das Seperl mag wohl auch lang warten auf dem Vaterl, [...] ich denke gar oft an Ihm, u. besonders wann ich spazieren gehe u. die kleinen Kinder siehe herumlaufen, kommen manchesmal die Trähnen in der Augen u. denke, an die meinen zu Hause."

Brief N°194, 8.8.16, Josef an Franziska.

„Lieber Gatte ich bete imer vir dich wen es manchmal nicht gahr fil ist aber unter dem Schutz der Lieben Gottesmutter stell ich dich alle Tage und bitte sie das sie dich imer recht beschirmt und beschützt und das du doch noch zu uns zurick kehrst"

Brief N°117, 11.1.16, Franziska an Josef.

„Sei deshalb nicht verzagt u. Muthlos, wer weis, für was es gut ist, als Gott allein, überhaubt der ganze Krieg, wann das Elend noch so groß ist."

Brief N°314, 16.3.17, Josef an Franziska.

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