Vor 100 Jahren

Mappa Ichnografica del corso dell'Adige
Mappa dell'Adige nei dintorni di Trento prima dei lavori di irreggimentazione.

Technologietransformationen im Alpenraum. Die Entwässerung im Alpengebiet: die Etschregulierung

Im 19. Jahrhundert erlebten die Talbereiche der Alpen einen radikalen Wandel. Die Flusstäler änderten in dieser Zeit ihre Gestalt von meist unbebauten Mösern hin zu wertvollen landwirtschaftlichen Gebieten. Diese flachen landschaftlichen Bereiche, die aufgrund der Orographie des Alpengebiets begrenzt vorkommen, konnten dank der Korrektur großer Flüsse, der Entwässerung der Talflächen und einer beginnenden intensiven landwirtschaftlichen Bebauung nutzbar gemacht werden. Die Etschregulierung ist beispielhaft für diese Entwicklung.

Bereits 1803 wurden erste Studien für eine hydraulische Regulierung der Etsch von Ignaz von Nowack von der k. k. Geniedirektion begonnen. Um die ständigen Überschwemmungen durch den Fluss zu vermeiden, dessen Verlauf zahlreiche Talschleifen zog (siehe das beigefügte Bild), wurde vorgeschlagen, die Flussschleifen und die Gesamtlänge zu verkürzen: Die ersten Eingriffe betrafen in der Zeit von 1818 bis 1826 die Flussbiegungen von Laimburg, Piglon, Villa, Neumarkt, Laag und Kurtatsch. Auch die Eisack-Mündung wurde korrigiert.

Es folgte ein ehrgeizigeres Projekt, das von Floriano Pasetti (1845) verfasst und vom Tiroler Landtag genehmigt wurde. Das Programm sah ein Eingreifen vor, bei dem der Flusslauf zwischen Meran und Sacco systematisch aus dem Tal stromaufwärts durch radikale Einschnitte begradigt werden musste (der Fluss musste von 115 km auf 96 km verkürzt werden). Diesem ersten erheblichen Eingriff folgten weitere: die Umlenkung der Noce-Mündung von San Michele in den Sumpf von Zambana; die Dammverbauung an beiden Ufern des Passeier, Eisack, Avisio und Fersina in ihrem Unterlauf; die Entwässerung der Sümpfe durch die Schaffung von Entwässerungskanälen; die Verwirklichung von Eindämmungsarbeiten, Arrangements und Aufforstungen in den Bächen, die in die Etsch flossen; die Erweiterung des Flussbettes von Kaltern bis zum Tal von Grumo.

Von diesem Moment an gab es eine Reihe von menschlichen Eingriffen, die die Flusslandschaft nachhaltig veränderten. Neben den Eindämmungsarbeiten der 1850er Jahre führte man zwischen 1883 und 1896 an der Etsch 156 Regulierungsarbeiten für insgesamt 11,740 Millionen Kronen durch. 1891 gründeten sich die vier für die Verwaltung der Etschreguliering zuständigen Konsortien.

Insgesamt wurden zwischen 1879 und 1918 etwa 130 Trockenlegungen durch Landesgesetze und anschließende Durchführungsverordnungen finanziert. Nach Berechnungen der italienischen Provinzverwaltung von 1925 beliefen sich die tatsächlichen Kosten für die hydraulische Nutzung des Etschtales von 1879 bis 1918 auf etwa 53 Millionen österreichische Kronen: ein bedeutender Aufwand, wenn man berücksichtigt, dass die Donau-Regulierung der österreichischen Staatsverwaltung etwa 77 Millionen Kronen bis 1918 kostete.

Ein Tal, das die Menschen in der Mitte des 19. Jahrhunderts als sumpfig, manchmal malariaanfällig und durch unkultivierten Boden geprägt betrachteten, wurde 1923 mit folgenden Worten beschrieben: Das Gebiet zwischen Egna-Neumarkt und Trient zeichnet sich aus durch ein „umfangreiches und blühendes Gehölz, sowohl Obstbäume als auch Weinberge". Von den 2.131 Hektar der Fläche des Etschtales zwischen Egna-Neumarkt und Zambana wird geschätzt, dass in den 1920er Jahren etwa 1.603 Hektar in Ackerland umgewandelt werden konnte.

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