Vor 100 Jahren

Seit 1923 gehören Obermais, Untermais und Gratsch zur Stadtgemeinde Meran
Foto: AKON/Österreichische Nationalbibliothek

Obermais, Untermais und Gratsch kommen zu Meran

„Es wäre auch ohne Auflösung gegangen, wenn man gewollt hätte“

Am 24. Oktober 1923 veröffentlicht die „Gazzetta Ufficiale“ das Dekret zur Eingemeindung von Obermais, Untermais und Gratsch in die Großgemeinde Meran. Anfang Dezember finden die letzten Ratssitzungen der Vertreter in den ehemals selbständigen Gemeinden statt, der Zusammenschluss der Kurgemeinden wird vollzogen. Der Meraner Bürgermeister Max Markart wird bis zur Durchführung von Neuwahlen zum Präfekturkommissär der neuen Großgemeinde Meran bestellt, was nicht überall auf Gegenliebe stößt. „Der Burggräfler“ berichtet in seiner Ausgabe vom 1. Dezember unter dem Titel „Groß-Meran“ von der Stimmung in der Bevölkerung: 

„Während die ‚Meraner Zeitung‘ fast mit Befriedigung die Regierungsmaßregel, welche drei großen Gemeinden und einer kleinen ihre freigewählten Vertretungen auf unbestimmte Zeit nimmt, begrüßt, ist die Stimmung in der Bevölkerung, selbst in Meran, wo die Eingemeindung seit jeher angestrebt wurde, durchaus keine befriedigende. Die Auflösung ist im Gesetze in keiner Weise begründet und das Auflösungsdekret bringt auch nur ‚Gründe‘, die man als bloße Vorwände bezeichnen muß. Es wäre auch ohne Auflösung gegangen, wenn man gewollt hätte. Aber man hat eben nicht gewollt, und dieses Nichtwollen ist nach der Überzeugung sehr vieler im Kurorte von hier aus unterstützt worden. Jedenfalls muß diese Maßregel als sehr bedenklich bezeichnet werden, da sie das Vertrauen der Bevölkerung für eine gesetzmäßige künftige Führung der Gemeindegeschäfte stark erschüttert hat. 

[…]

Die Stadt Meran teilt das Schicksal der Bozner, Brixner, Salurner usw., nur ist das ihre etwas gemildert durch den Umstand, daß der bisherige freigewählte Bürgermeister als Regierungskommissär an der Spitze des Gemeinwesens bleibt und die Geschäfte leitet. Allerdings nicht als von der Bürgerschaft gewählter und ihr verantwortlicher Vertreter, sondern eben als Regierungskommissär. Das ist der Unterschied, welchen die Bevölkerung drückend empfindet und weshalb sie sich fragt: Womit haben wir das verdient? Für die Gemeinden Obermais, Untermais und Gratsch ist die Situation freilich noch peinlicher als für die Stadtgemeinde.“

 Der italienische Regierungschef Benito Mussolini hielt die Anzahl der Gemeinden für übertrieben und ordnete Zusammenlegungen an, um Kosten und Personal einzusparen. Die Anzahl der Südtiroler Gemeinden wurde dadurch während der Zeit des Faschismus von 235 im Jahr 1910 auf 117 halbiert. 

 

30.11.2023 - Maria Pichler 

 

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