Vor 100 Jahren

In den 1920er Jahren werden die Weichen für die spätere Entwicklung des Tourismus in Südtirol gestellt
Quelle: Sammlung Touriseum - Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, Meran

Die Zehn Gebote für deutsche Italienreisende

Südtiroler Tourismus im Aufwind

Der Südtiroler Tourismus erholt sich in den 1920er Jahren erstaunlich schnell vom Krieg. Es sind zunächst vor allem italienische Gäste, die sich für die „erlösten Gebiete“ interessieren und vor allem die Dolomitentäler symbolisch „erobern“. Der Besuch des neuen Gebietes wird dabei gezielt gefördert. Aber auch die deutschen Gäste lassen sich von eben überstandener Hyperinflation, schwankenden Devisenkursen und zeitraubenden Grenzformalitäten nicht abschrecken, zumal 1924 Italien auch die strengen Einreisebestimmungen für Ausländer lockert. 

Was es für „deutsche Italienreisende“ zu beachten gilt, darüber schreiben die Bozner Nachrichten am 9. Februar 1924, wobei sie die München-Augsburger Abendzeitung zitieren: 

„In einem hübschen Feuilleton der „M. Augsb. Abendztg.“ wird in Aussicht gestellt, daß im heurigen Jahre viele Deutsche südlich des Brenners wandern werden – kostet die Lira doch nur knapp 19 Pfennige, d. h. man kann für 4 bis 6 Rentenmark im Tag im schönen Bozen herrlich und in Freuden leben. 

[…]

Für Deutsche aber ergeben sich folgende 10 Gebote für eine Italienreise:

  1. Schweige.
  2. Schweige viel.
  3. Nimm dir ein Beispiel an Ruhe und Würde an den stets zu Paaren gehenden Carabinieri.
  4. Zeige ohne falsche Scham, daß du ein Glied eines armen Volkes bist, durch Mäßigkeit. Gerade hierin sehen die Ausländer scharf auf die Finger. In Wahrheit sind die aus Deutschland kommenden „Schlemmer“ keine Deutschen. 
  5. Beobachte viel.
  6. Kritisiere Auffälliges nach deiner Heimkehr, niemals aber in dem Lande, das dich als Gast aufnahm.
  7. Lerne bewundern die heiße Liebe, mit welcher der Italiener sein Vaterland umschließt.
  8. Halte auf unbedingte Propertät! Du repräsentierest draußen deine Heimat. 
  9. Lasse Bergschuhe und Lodenjacke in Bozen und zeige dich auf dem Markusplatz in Venedig, in der Galleria in Mailand, auf dem Corso in Rom im besten Sonntagskleid.
  10. Politisiere wenig oder gar nicht.“

 

07.02.2024 - Maria Pichler 

 

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