Vor 100 Jahren

Rosenkranzkapelle XII „Christi Himmelfahrt“ am Kapellenweg von Mieders im Stubaital nach Maria Waldrast
Wikipedia/ SchiDD

Tiroler Feiertage: Christi Himmelfahrt

Fest-, Los- und Ausflugstag

Am 40. Tag der Osterzeit wird Christi Himmelfahrt gefeiert. Das Fest fällt daher stets auf einen Donnerstag, wenngleich – abhängig vom Ostertermin – nicht immer auf dasselbe Datum. Während Christi Himmelfahrt im Bundesland Tirol bis heute gesetzlicher Feiertag ist, hat Italien diesen kirchlichen Feiertag im Nachgang zur Erdölkrise 1977 abgeschafft. In Südtirol und im Trentino wird Christi Himmelfahrt seitdem am darauffolgenden Sonntag nachgefeiert. 

Einen Eindruck davon, welche Bedeutung Christi Himmelfahrt noch vor hundert Jahren hatte – als Feier-, Los- und Ausflugstag – zeigen Berichte aus dem Tiroler Anzeiger, den Bozner Nachrichten und dem Nuovo Trentino von 1924. 

Der Tiroler Anzeiger schreibt am 26. Mai über „die Bittwoche und Christi Himmelfahrt“: 

„Die österliche Festzeit nähert sich ihrem Ende. Vierzig Tage nach seiner glorreichen Auferstehung hatte der göttliche Heiland noch auf Erden geweilt und sich wiederholt seinen Jüngern gezeigt. Dann aber verließ er die Welt und ging heim zu seinem himmlischen Vater, wie er selber vorausgesagt hatte, indem er sprach: ‚Ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.‘ (Joh. 16,28) […] Am fünften Sonntag nach Ostern also beginnt die Bittwoche, mit den liturgisch vorgeschriebenen Bittprozessionen an den ersten drei Ferialtagen dieser Woche. Diese drei Tage heißen im Volksmunde Bitttage. […] Am Donnerstag, dem fünften Tage der Bittwoche, dem vierzigsten Tage nach Ostern, nun feiert die Kirche in großem Jubel wieder ein Hochfest, das Fest des Heimganges des Herrn, im Volksmunde ‚Christi Himmelfahrt‘ genannt. […]“

Die Bozner Nachrichten gehen in ihrer Ausgabe vom 28. Mai auf die Bedeutung des Feiertages als Lostag ein: 

„Der größte Lostag im Frühjahr ist Christi Himmelfahrt, heuer 29. Mai. Heißt es im allgemeinen: ‚Gewitter im Mai, schreit der Bauer juchhei!‘, so schauen die Leute, wenn am Christi Himmelfahrtstag ein Gewitter ist, von welcher Gegend das Gewitter kommt. Aus derselben Gegend sollen dann alle Gewitter im Sommer kommen. Doch scheinen über die Wohltat eines Maigewitters die Weisen sich noch nicht geeinigt zu haben. Die Schweizer stimmen in das ‚juchhei!‘ von oben ein: ‚Donnert’s im Mai viel – haben die Bauern gewonnen Spiel.‘ Die Italiener sind andrer Meinung: ‚Gewitter im Mai – vollständiges Unheil!‘ Der Christi Himmelfahrtstag ist dem Volksglauben auch noch aus einem anderen Grunde ein kritischer Tag erster Ordnung: ‚Wie das Wetter am Himmelfahrtstag, so auch der ganze Herbst sein mag‘."

Der Nuovo Trentino hingegen macht am 28. Mai auf einen Ausflug der A.S.C.I. (Associazione Scoutistica Cattolica Italiana) aufmerksam. Im Mittelpunkt stehen eine Heilige Messe in Civezzano um 6.30 Uhr morgens, eine katechetische Unterweisung am Nachmittag und der abschließende Besuch des Heiligtums und der Erscheinungsstätte der Madonna in Piné. Interessant ist der detaillierte Hinweis am Ende des Berichtes: 

„Die Pfadfinder müssen einen Umhang, einen Rucksack, einen Wanderstock, eine Schnur, eine Trinkflasche, einen Becher (nicht aus Glas), Besteck, Stift und Notizbuch, Nadel und Faden, 10 g Kaffeepulver, 25 g Zucker, 200 g Spaghetti, Brot, Käse und anderen Proviant sowie 3 Lire mit sich führen.“

09.05.2024 - Maria Pichler

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