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„Mit treudeutschem Gruße.“ Der Deutsche Schulverein und die Mechanismen einer nationalistischen Grenzlandagenda
Die Quellen des Monats September befassen sich mit dem kleinräumigen Wirken des 1880 in Wien gegründeten Deutschen Schulvereins. Dieser hatte es sich zur Aufgabe gesetzt, die Grenzregionen der Habsburgermonarchie mit einschlägigen und breit-angelegten Bildungs- und Ideologieoffensiven zu fördern, in denen deutsche Sprachgemeinden in der Minderheit waren und so vor nichtdeutschen, d.h. „fremden“ Einflüssen zu beschützen. Das sogenannte „Grenz-“ oder „Auslandsdeutschtum“ sollte damit in Böhmen, in Mähren, in Galizien, in der Bukowina, im Österreichischen Küstenland, aber auch in den Verwaltungsbezirken des südlichen Tirols des 19. Jahrhunderts, vor den Bedrohungen einer angeblichen kulturellen Überfremdung verteidigt werden.
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„Der italienische Charakter des Trentino und die Abneigung gegenüber Österreich." Ein Artikel von Alberto Manzi
Die Quelle-des-Monats Juni stellt einen 83 Seiten umfassenden Aufsatz von Alberto Manzi dar, der 1915, noch vor der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn, in der Rivista d’Italia (Nr. 2) erschien. Der Artikel „L’italianità nel Trentino e l’avversione austriaca“ (Der italienische Charakter des Trentino und die Abneigung gegenüber Österreich) wurde in der von der Società Editrice Dante Alighieri in Rom zwischen 1898 und 1928 herausgegebenen Zeitschrift veröffentlicht. Er behandelt die aus Sicht des Autors eindeutige kulturelle Verfasstheit des Trentino (Italianität) und die von Manzi konstatierte Abneigung der damaligen Trentiner Bevölkerung gegen Österreich.
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Italien in Innsbruck? Die italienischen Vereine um 1900 in einer mittleren Kleinstadt
Die Quelle-des-Monats März stellt den Vereinsstempel des 1908 begründeten, 1916 bereits wieder aufgelösten italienischen Arbeiterkulturvereines (Lega per la coltura sociale) in Innsbruck dar. Der Beitrag selbst widmet sich den gesellschaftlichen Verhältnissen in der Stadt Innsbruck um 1900 unter dem Eindruck des Nationalitätenkonfliktes. Dabei stehen im Besonderen die italienischen Vereinsgründungen im Vordergrund, die während eines allgemeinen Vereinsbooms einsetzten.
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„Die deutsche Grenze treu gewahrt, das ist Deutschtiroler Art!“ Der Tiroler Volksbund als Beförderer einer nationalistischen Entfremdung
Die HISTOREGIO-Quelle-des-Monats stellt eine vom Tiroler Volksbund im Jahr 1915 veröffentlichte Druckgrafik dar, die symbolisch den völkisch-kulturellen Abwehrkampf des Tiroler Volksbundes gegen den italienischen Irredentismus im Trentino darstellen soll. Auf Basis einer Karte, die alle dort abgebildeten Orte nur mit deren deutschen Namen auflistet, wird der deutschtiroler Anspruch auf den damaligen südlichen Teil Tirols (Welschtirol/Trentino) deutlich: In einer klaren militärischen Machtsymbolik wird der Irredentismus mittels eines kräftigen Trittes in das Gesäß außer Landes „gewiesen“.
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„Mit Deutschland werden wir ein Garten, mit Italien eine Alpe sein.“
Die HISTOREGIO-Quelle-des-Monats September ist ein Zitat, das gezielt in Zeitschriften und Büchern verwendet wurde: „Mit Deutschland werden wir ein Garten, mit Italien eine Alpe sein.“ Ein ungenannter, „kluger“ Roveretaner Kaufmann habe diesen Spruch um 1850 getätigt. Als wortwörtlich gleichbleibende Wohlstands- und Fruchtbarkeitsmetapher erscheint diese Aussage als wirtschaftliches Argument gehäuft in deutschsprachigen Abhandlungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts und richtet sich gegen den Anschluss „Süd“- oder „Welschtirols“ (das Gebiet des heutigen Trentino) an Italien.
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Ein „kleiner Fleck ohne jede militärische oder wirtschaftliche Bedeutung“? Die Cima Dodici (Zwölferkogel) im Bann des Nationalitätenkonfliktes
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser der allmonatlichen HISTOREGIO-Quelle-des-Monats! Ich darf Sie in Gedanken auf eine historische Bergtour auf die Cima Dodici (Zwölferkogel) begleiten, den höchsten Gipfel der Vinzentiner Alpen mit 2337 m, der sich südlich von Borgo Valsugana über der Landschaft erhebt.
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„Mio caro Pederzolli …“ Ein Schriftsteller und Politiker aus dem Trentino zur Zeit der italienischen Einigung
Die Historegio-Quelle-des-Monats stellt ein Schreiben Giuseppe Garibaldis an den Trentiner Ippolito Pederzolli aus dem Jahr 1871 dar.
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Difendiamo la nostra lingua! Eine Zündholzschachtel sorgt für diplomatische Verstimmung
Ein kleiner Gebrauchsgegenstand, der zunächst in den nördlichen Provinzen des Königreiches Italien Verbreitung fand, sorgte zwischen August 1910 und September 1912 für große Verstimmung in Wien. Die in dieser Zeit in Turin erfolgte massenhafte Produktion von „irredentistischen Zündholzschachteln“ und deren Vertrieb in Oberitalien (Mailand, Bergamo und Brescia) wurden zum Politikum auf höchster Ebene zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien.
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„Alles verbindet vielfältig Wälschtirol mit Italien“
Nach den drei italienischen Unabhängigkeitskriegen und der Eingliederung der Lombardei und Venetiens in das neue Königreich Italien war eine neue nationalstaatliche Grenze an den Süden von Tirol herangerückt. Am 19. Dezember 1866 tagte der Tiroler Landtag.
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Carl Freiherr von Czoernig und eine Ethnografie der Habsburgermonarchie
Die HISTOREGIO-Quelle-des-Monats Juni stellt eine Karte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts dar, deren Anspruch es war, die Siedlungsgebiete der verschiedenen Ethnien in der Habsburgermonarchie zu visualisieren: Die von Carl Freiherr von Czoernig (1804–1889) gefertigte "Ethnographische Karte der oesterreichischen Monarchie" war ein wichtiges Anschauungsobjekt für den Vielvölkerstaat.